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Donnerstag, 11. Januar 2018

Das Mädchen und der Drache

Für meine Tochter

Der neue Freund

„Guck mal Mama! Ich habe einen neuen Freund mitgebracht.“
In Erwartung, ihre kleine Tochter habe wieder eine Maus, einen Igel, einen Hamster oder vielleicht einen Vogel anschleppte, schaute die junge Frau mit liebevollen Blick auf ihre Tochter um dann den neuen Freund zu sehen. Das Gesicht wurde blass während ihr Blick immer höher und höher ging. Das Kinn klappt herunter und mit Schreck geweiteten Augen sackte sie gegen den Türrahmen um dann mit einem Seufzer zusammenzubrechen.

„Mama?“
„Ich sagte doch, dass das keine gute Idee ist.“
Fernes Donnergrollen klang ähnlich beruhigend, wie die Stimme aus ungefähr 15 Schritt Höhe.

Einige Stunden vorher

„Du bist wach! Schön. Du hast sehr lange geschlafen. Wie heißt du? Ich heiße Maja.“
Fröhlich plapperte das Mädchen drauflos, als würde sie nicht in ein Auge schauen, das so groß wie ihr Kopf war. Und dass dieses Auge in einem riesigen Schädel steckte, der so groß wie eine Kuh war und ein Maul trug, dass eine solche ganz einfach zerreißen konnte. Wie die sichtbare Zahnreihe erahnen ließ, deren Zähne so lang wie ihre Beine waren.

Ein Schnaufen fuhr aus den Nüstern und der Wind fuhr durch die ganze Höhle. Das Schnaufen wurde lauter und endete in einem Grollen dessen Vibration das Mädchen zittern ließ. 
„Hi Hi Hi! Das kitzelt. Mach das nochmal!“
Nun war es das riesige Wesen vor ihr, das erneut kurz grollte ohne es zu wollen. Fröhlich kicherte die Kleine. Das Kribbeln ging bis in die Haarspitzen.
„Wie heißt du?“
Wieder ein kurzes Grollen, gefolgt von einem Kichern.

„Fürchtest du dich gar nicht?“ grollte die Stimme und ein wenig Rauch quoll aus den Nüstern.
„Warum sollte ich?“ lächelte sie den Drachen an.
Dieses Mal grollte er etwas länger, fast nachdenklich.
„Menschen fürchten sich meistens vor mir.“ antwortete es langsam.
„Warum denn? Du hast doch nur geschlafen.“
„Hrrrrrmmmmm“ grollte es gedehnt. „Das tue ich nicht immer. Wenn ich wach bin, dann habe ich Hunger und fresse.“
„Menschen?“ fragte das Mädchen nun mit einem Anflug von Sorge.
„Hrm. Nein. Die mag rrrrrr fresse ich nicht.“
„Dann ist doch alles gut.“ lächelte sie beruhigt und stellte die Lampe auf einen Stein vor sich. Sie dreht an einem Rädchen um mehr Licht zu bekommen.
„Ich habe einiges aus deinen Zähnen gepult. Machst du die nie sauber?“
„Hrrrrm?“ grollte es kurz und nun erfasste die Kleines es als Laut der Verwunderung.
„Na, deine Zähne. Das war ja scheußlich! Ich habe da einige Knochen und sonst was rausgeholt. Das war schwer und sehr eklig!“
„Wie bist du hier überhaupt reingekommen?“ grollte die Frage ihr entgegen. „Und wie lange ... besuchst du mich schon?“
„Es gab einen Erdrutsch. Vor ein paar Tagen.“ Kurz neigte sie den Kopf. „Oder vor einer Woche oder so. Da habe ich schöne Steine gefunden und dann die Höhle. Es ist nur ein kleiner Eingang. Ganz versteckt.“
 „Hrrrm, gut.“
„Hast du lange geschlafen?“
„Einige Jahre.“
Kurz schloss das Wesen die Augen und senkte den Kopf. Erinnerungen schossen wie Blitzlichter am geistigen Auge vorbei.
„Das ist sehr lange! Ich schlafe nie so lange. Nur in der Nacht. Und manchmal kann ich dann auch nicht schlafen. Wenn es kalt ist oder so. Du bist schön warm. Das mag ich.“
Kurz blinzelte das Wesen mit den Echsenartigen Augen und legte den Kopf schief.
„Erstaunlich.“ grollte es. „Bisher fürchteten sich alle Menschen vor mir.“
„Wenn du sie nicht frisst, warum haben sie denn Angst gehabt? Hast du sie gehauen?“

Das blecken der Lefzen hätte selbst erfahrene Krieger vor Angst zurückweichen lassen, doch spürte die Kleine sofort das Lächeln, dass es sein sollte. Der Drache war gerührt von der Arglosigkeit des Mädchens.
Weit hinten in der Höhle schliff etwas Großes über den Boden.
„Du bist ja riesig. Kannst du fliegen? Das dahinten sieht aus wie Flügel.“
„Rrrrrr ja, ich kann fliegen. Und ja, ich bin größer als du.“
Mühsam erhob sich das Wesen auf seine Tatzen und begann sich zu strecken.
„Arrrrr das tut gut.“ Den Kopf hin und her drehend erhob es sich weiter. Dabei knackten die Knochen als würden Äste brechen.
Mit strahlenden Augen schaute ihn das Mädchen an. Über ihr legte der Drache den Kopf schief. Nach alle den Jahren des Schlafes hatte er Hunger. Doch Menschen vermied er zu fressen. Selbst die Krieger, die ihn jagten vermied er zu fressen oder nur zu töten. Die alte Freundschaft zu den Menschen war ihm noch zu präsent. Wenn auch diese Freundschaft seit langem nur noch in seiner Erinnerung bestand.
Nun stand hier ein kleines Menschenkind vor ihm, hier in seiner Höhle die nie ein Mensch zuvor betreten hatte und fürchtete sich vermutlich mehr vor der Dunkelheit als vor ihm. Kopfschüttelnd legte er sein mächtiges Haupt wieder auf seine Tatzen nieder und atmete nochmals tief durch. Die Zeit des Erwachens war bisher immer eine Zeit des Alleinseins gewesen. Nun plapperte das Mädchen fröhlich drauflos wie ein Bergbach im Frühling.
Was hatte sie gerade gesagt? Sorgen? Warum? Name? Ach ja, sie wollte seinen Namen wissen. Sie redete so schnell und er musste erst mal Wasser saufen und etwas fressen. Hoffentlich gab es noch die Herden der Menschen. Schafe mochte er nicht so gern, die hatten zu viel Fell. Kühe waren gut. Viel Fleisch.
Was? Kleine, du redest zu viel. Zu viel und zu schnell. Was bedroht euch manchmal? Hrrrm, diese Menschen. Kaum ist etwas größer als sie selbst, werden sie ängstlich.
„Schweig!“ grollte er lauter als gewollte und das Mädchen zuckte zusammen. Irgendwo polterten Steine zu Boden. Ängstlich drückte sie eine kleine Strohpuppe an sich und ließ den Kopf hängen.
„Verzeih! Der lange Schlaf macht mich träge und du ...“
„redest du viel, richtig? Ich rede immer so viel, sagt meine Mama und oh.“ Brach sie sich selbst ertappend ab.
„Harr Harr Harr!“ grollte ein freundliches Lachen durch die Höhle. Das Wohlwollen spürte das Kind mehr als dass es das hörte.
„’tschuldigung.“ Mit gesenktem Kopf schaute sie ihn an.
„Schon gut. Der Durst und der Hunger sind groß und.“
„Ich hab hier was plätschern hören, vielleicht ist das ein Wildbach und du kannst oh, tut mir leid.“
„Hrrrrmmm.“ Den mächtigen Kopf schüttelnd erhob sich der Drache und stemmte sich auf seine Beine die manch alten Baum an Umfang übertragen. „Geh da in die Nische! Ich drehe mich nun um und sehe dich dann nicht.“
Mit einer überraschenden Geschmeidigkeit und Eleganz drehte sich der Drache von ihr weg und umrundete eine Felssäule so groß wie ein Kirchturm. Dann war er verschwunden in der Dunkelheit. Maja kauerte sich in die Nische. Dass in die Nische ihr Elternhaus dreimal reingepasst hätte, von der Höhe ganz zu schweigen, machte sie etwas nervös doch wollte sie sich nichts anmerken lassen.
Von weit hinten ertönte nun ein Plätschern und Klatschen von Wasser. Der Drache trank wohl den Bach leer.

In einem der nächstgelegenen Dörfer wunderte sich der Wassermüller, dass seine Mühle plötzlich stillstand. Als er aus der Tür an den Bach trat, stellte der Müller überrascht fest, dass der Bach zum Rinnsal geworden war. Eben überlegte er zum Schultheiß zu gehen, als das Plätschern wieder lauter wurde und der Bach zu seiner alten Größe fand. Hat sein Oheim nicht davon mal erzählt?

„Kommst du mit raus? Hier ist es kalt und feucht. Draußen ist es schön warm. Die Sonne scheint. Und ich habe Hunger. Vor der Höhle steht ein Apfelbaum und.“
„Rrrrrrrrr!“
„Ja, ich bin ja schon ruhig.“
„Geh vor!“
Langsam tapste sie los, die Puppe eng an sich gedrückt und verließ bald darauf die Höhle. Fröhlich pflückte sie einige Äpfel und warf dem Drachen einen zu. Hätte er erstaunt gucken können oder wenigstens eine Augenbraue heben können, er hätte es getan. So wunderte er sich über das weiche Steinchen in seinem Maul und schluckte es herunter.

„Kommst du mit?“
„Wohin?“
„Zu meiner Mama. Sie möchte alle meine Freunde kennenlernen. Ich bringe immer mal einen Vogel oder eine Maus mit.“
Wieder brummte der Drache als Äquivalent des Augenbrauen Hebens. Immer noch erstaunte ihn die Sorglosigkeit.
„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Menschen mögen mich nicht besonders.“
„Ich mag dich. Dann mag Mama dich auch!“ entschied sie und ging los.
Vorsichtig schob sich der Drache aus der Höhle und streckte sich erst mal in alle Richtungen aus. Auf der Wiese breitete er die mächtigen Schwingen aus und hob kurz ab um direkt hinter dem Mädchen zu landen.
Dieses drehte sich überrascht um, sie hatte ihn weiter hinten vermutet. Weit aufgerissene Augen starrten ihn an.
„Was hast du, Kleine?“ fragte er arglos. Den leichten Spott spürte sie dennoch.
„Kannst du fliegen?“
„Du bist schlau.“
„Das sagt Mama auch immer. Und frech, sagt sie. Aber das stimmt nicht, finde ich.“
„Hrrrrmmm.“

Fröhlich lief sie über die Wiese an einem kleinen See vorbei. Um eine kleine Biegung des Waldes herum führte sie ihn und bald standen sie vor dem Haus ihrer Mutter.
„Maaaamaaaaa! Maaaamaaaa!“ rief sie laut. Da trat ihre Mutter in die Tür.
„Guck mal, ich habe einen neuen Freund mitgebracht!“ rief sie fröhlich um dann überrascht „Mama? Was hast du Mama?“ ihre Mutter zusammenbrechen zu sehen.
„Ich sagte doch, dass das keine gute Idee ist.“ Grollte es über ihr.
„Aber aber ...“
„Ich werde mir was zu fressen suchen und dann in der Höhle warten. Kümmere du dich um deine Mutter.“
„Ja.“ Kam es traurig zurück.
Schnell lief das Mädchen auf ihre Mutter zu und bettete den Kopf in ihrem Schoß. Als ihre Mutter erwachte, verschwand der reptilienartige Schwanz der Echse gerade um die letzten Bäume.

Maja konnte nicht verstehen, dass ihre Mutter ihr zum einen nicht glauben wollte und zum anderen verbot wieder zu der Höhle zu gehen. Warum durfte sie ihren neuen Freund nicht wieder sehen? Er tat doch niemandem was. Sie lag die ganze Nacht wach und dachte an ihren Freund. Immer wieder sah sie ihn vor sich und spürte sein Lächeln.

Einige Meilen entfernt lag ein alter Drache in seiner Höhle und lächelte ebenfalls.


Am Tag darauf

„Aus’m Weg, Du!“
Etwas brach krachend auseinander, Geschirr zerbrach klirrend auf dem Holzboden.
„Was wollt ihr? Ich habe nichts!“
„Werden sehn.“ Bellte eine rauhe Stimme.
Innig betete die Mutter, ihr Kind möge weiterschlafen und nicht entdeckt werden.
„Mama? Was ist passiert?“
„Maja! Versteck di-AU!“ Ein hartes Klatschen unterbrach sie.
Die Tür zur Kammer wurde so hart aufgerissen, dass sie aus den Angeln brach.
„Was hab’n wir da? Süßes Vögelchen. Gefällt mir.“
Grobe beharrte Hände packten sie hart an dem dünnen Arm und rissen sie aus der Kammer. Wie am Spieß schrie sie.
„Lasst sie, bitte! Nehmt mich!“ Verzweifelt war ihre Mutter sich auf einen der Unholde.

Es waren nicht wirklich Menschen, die sie da bedrängten. Es wusste niemand so genau, was sie mal waren und wie sie das wurden, was sie nun waren. Irgendeine Mischung eines Wesens aus den Bergen und Mensch, das nun voller Hass die beiden Weibachen voller Gier anschaute. Der Anführer war der einzige, der die Sprache der Menschen sprach.
Seine vier Kumpane durchwühlten bereits die kleine Hütte und zerbrachen alles, was sich zerbrechen ließ. Sie fluchten laut in ihrer Sprache, denn es gab hier nichts. Gierig linsten sie zu dem hübschen Menschenweibchen. Sie wollten es auch. Doch ihr Anführer durfte als erstes, so war es immer. Dann würden die anderen rankommen.

Oh, was war das? Der Anführer fluchte laut und nahm sein Handgelenk in den Mund. Ah, er hat nicht aufgepasst. Das kleine Weibchen hat ihn gebissen. Selber Schuld. Ja, schon recht, dass er sie aus der Hütte wirft. Da kann man sie schon mal hauen. Oh, die Kleine wehrte sich immer noch. Verdammt. Die war zäh. Er warf sie gegen den Zaun. Grad beugt er sich über sie, als ein anderer laut aufschrie und zusammenbrach.
Oh, das Mutterweibchen hat einen Dolch. Das ist ärgerlich. Der andere war stark, nun ist er tot. Selber Schuld. Oh, sie greift weiter an. Verletzt noch einen am Arm. Endlich trifft sie eine Keule. Ja, das Mutterweibchen bricht zusammen. Gut. Hoffentlich lebt sie noch. Tot macht es nicht so viel Spaß. Brutal schlägt der Anführer erst den Verletzten, dann das ältere Weibchen. Sie wuchten sie auf einen Tisch vor dem Haus. Das Kind schreit viel zu laut. Was bedeutet Drache? Egal, ein alter Lappen wird sie still machen.
Die Mutter bekommt einen Eimer Wasser über den Kopf. Der Anführer reißt ihr schon mal die Kleidung vom Leib und reißt den Lendenschurz runter. Gut, wenn er fertig ist, dann kommen wir. Hier drinnen ist noch Brot, die anderen beiden warten draußen, da kann ich essen.

Trotz Knebel kreischt das kleine Weibchen ganz schön laut. Die ältere ist noch benebelt, gut. Sie wird schon wach, wenn sie dran ist. Drumherum stehen die beiden Kumpane und feuern ihn an. Ihre Erregung ist deutlich zu sehen. Was ist das? Grad will der Anführer sich auf das Mutterweibchen stürzen, da steigt der Anführer in die Luft. Kann er fliegen?

Mit stumpfen Blick und offenem Maul folgen seine Kumpane dem entschwindenden Anführer. Hoch in der Luft knackt etwas laut und dann fällt der Anführer so stumm, wie er in die Luft stieg wieder zu Boden. Dumpf schlug er neben zwei Schweinen auf, die sich bald daran machten, die willkommene Abwechslung des Speiseplans zu genießen.

Was war das? Die beiden Kumpane glotzten erst noch in den Himmel und begannen dann zu laufen. Er trat aus der Hütte um sich sofort gepackt und in die Luft gerissen zu fühlen. Wieso war er in der Luft? Was packte ihn so?

Das letzte, was der Unhold sah, waren seine dreckigen Füße, deren krumme Fußnägel gelbbraun über die Zehen hinausragten und hoch in der Luft hingen. Dann wurde sein Kopf gedreht und es wurde schwarz. Die zwei Hausschweine brauchten die nächsten Tage kein Futter.

Lange hielten sich eine Frau und ein kleines Mädchen vor einer kleinen Holzhütte im Arm und weinten. Kurz vor Sonnenuntergang kam Bark, der Jäger aus dem Wald, ein Reh über der Schulter. Wie zufällig war immer mal wieder am Haus der jungen Witwe aufgetaucht und ihr bei einigen Sachen zur Hand gegangen.
Heute wurde es kein fröhlicher Besuch, wie er gehofft hatte. Heute hielt er zwei Menschen im Arm und weinte mit ihnen und sprach ihnen Trost zu.


Am nächsten Morgen machte sich der Jäger auf ins Dorf um dem Schultheiß Bericht zu erstatten. Eine Mutter und ein kleines Mädchen machten sich auf den Weg zu einer Höhle, deren Eingang vor Kurzem erst freigeschüttet wurde.
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Mittwoch, 23. September 2015

Wunschreisen

Meine Fähigkeit erlebte ich zum ersten Mal, als ich mitten in der Pubertät war. Diese Zeit war für mich eher anstrengend, weil ich ständig das Gefühl hatte, dass mein Körper sich komplett im Umbau befand. Was umgebaut wurde, konnte ich nicht sagen, nur das.
So litt ich vor mich hin, träumte oft von Wärme und Sonne und der Liebe eines hübschen Mädchens.
 
Bei einem dieser Tagträume blätterte ich gelangweilt in einer Zeitschrift. Bei dem Bericht über eine einsame, griechische Insel blieb ich hängen und stellte mir vor, wie es wäre, wäre ich dort. In diesem Tagtraum versunken verlor ich mich regelrecht. Anders kann ich es nicht beschreiben.
 
Intensiv starrte ich auf das Bild, malte mir aus, wie schön es wäre, die Sonne auf meiner von Akne gezeichneten Haut zu spüren, nachdem ich im Salzwasser gebadet hatte. Ich hatte gehört, das hilft gegen Akne. Immer weiter sponn ich diesen Gedanken, träumte und verlor mich.
 
Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich eine Art Ziehen spürte. Dann blickte ich mich um und saß am Strand.
Weißer Strandsand vor, steile Felsen hinter und dunkles Wasser neben mir. Leise rauschten die Wellen an den Strand. Erste Sterne hingen am Himmel.
 
Sie können sich mein Erstaunen vorstellen. Und meine Überraschung. Und dann kam die Panikattacke, die ich nicht vergessen werden. Ich schrie, als hätte jemand ein Messer in meinen Bauch gerammt. So ungefähr fühlte es sich für mich auch an. Nur, dass dieser Jemand noch mit Stacheldraht meinen Hals zuschnürte.
Irgendwann lag ich schweißgebadet im Sand, atmete schwer in den Sand, den ich aus meinem Mund spucken musste, erbrach mich, was mein Gesicht sofort warm umspülte und die Kotze in meine Nase und Augen trieb.
 
Schwer erhob ich mich, meine Arme und Beine schienen nicht mir zu gehören, waren wie Gummi.
Ich schleppte mich zum Wasser, wusch mich und war versucht meinen Mund mit dem Meerwasser auszuspülen. Diesem Wunsche konnte ich gerade noch widerstehen.
 
Kneifen, wie es vielfach in den Romanen gemacht wird, brauchte ich mich nicht. Ich hatte mir den Kopf ein einem Stein gestoßen, die Beule zeugte von der Echtheit meiner Anwesenheit. Der Kotzesee und meine nassen Klamotten auch.
 
Noch völlig durcheinander, versuchte ich mich zu orientieren und zu verstehen, was passiert ist.
Je mehr ich mich umschaute, desto mehr erkannte ich Sachen von dem Bild, das ich mir so intensiv anschaute. Also hatte ich mich hierher geträumt. Wäre mir nicht so elend zumute, wäre das ja fast lustig gewesen. Und ich war wohl auf der griechischen Insel.
"Wie komme ich hier wieder weg?"
 
Da ich mich hierher geträumt hatte, konnte ich mich vielleicht wieder zurückträumen.
 
Der Gedanke war gut, nur war ich so nervös, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. So ging ich schwimmen. Noch heute lache ich bei dem Gedanken, dass ich, zum ersten Mal gesprungen, nicht zurück konnte und schwimmen ging.
Aber es half. Das relativ kühle Wasser brachte mich auf andere Gedanken, lenkte mich ab und erfrischte mich.
Hey, ich war in Griechenland. Das musste ich doch nutzen.
Nach dem Bad setzte ich mich, nackt wie ich war, an den Strand, schloss die Augen und dachte an mein Zimmer zu Hause. Ich stellte mir mein Bücherregal vor, meinen Schreibtisch, den Stuhl davor, mein Bett. Besonders mein Bett malte ich mir besonders intensiv aus, kuschlig und warm und weich.
 
Es klappte nicht sofort. Es brauchte einige Übungen, so ganz ohne Bild, bis ich das Ziehen spürte und mich auf mein Bett wieder fand. Herrlich. Ok, ich war nackt, das war blöd. Meine Klamotten lagen in Griechenland. Das Teufelchen gewann. Nach einem kurzen Schluck aus der Wasserflasche schnappte ich mir das Photo und dachte mich zurück an den Strand.
 
Dieses Mal ging es etwas schneller. Nur wenige Minuten schaute ich auf das schöne Bild von der griechischen Küste und verspürte das Ziehen. Etwas entfernt von meinen Klamotten fand ich mich wieder. Einige Meter daneben war noch der Kotzesee. Schnell sammelte ich die Sachen ein, setzte mich hin und dachte an mein Bett.

Ein zufälliger Zuschauer hätte gesehen, wie aus dem Nichts ein nackter junger Mann auf dem Strand erscheint, schnell die herumliegenden Sachen einsammelt, sich mit den nackten Hintern
im Schneidersitzauf den Strand setzt, kurz die Augen schließt und wieder verschwindet.
Wieder zu Hause, atmete ich erst mal durch, gab mir eine Ohrfeige und kniff mich. Eigentlich war das nicht notwendig, denn es klebte immer noch Sand an meiner Haut, der sich langsam löste und sich auf meinem Bett verteilte.
 
Ich beschloss, heute keine Experimente mehr zu machen. Sicher ist sicher.


Der zweiter Sprung

Am nächsten Tag überlegte ich, ob es nur ein Traum war oder ob ich wirklich auf dieser tollen Insel war, beschloss vorerst keinen weiteren Versuch zu unternehmen, bevor die Schule nicht zu Ende ist.

Die Schule war langweilig wie immer. Wieder zu Hause, quälte ich mich durch die Hausaufgaben, aß zu Abend und verzog mich auf mein Zimmer. Jetzt hatte ich Ruhe.

Ich zog den Reisekatalog hervor und vertiefte mich in das bekannte Bild. Das Ziehen kam viel schneller und schwupps fand ich mich am Strand wieder. Herrlich.
Weißer Sand, die untergehende Sonne, das Meer, das junge Mädchen neben mir, erste Sterne und ... Moment!
Ein Mädchen?
Entsetzt starrten wir uns an.
Sie mich, als sei ich ein Geist.
Ich sie, weil ich mich ertappt fühlte.
Sie stand halb hinter mir und hatte auf jeden Fall gesehen, dass vorher der Strand leer war. Verdammt!

Lange Augenblicke starrten wir uns an. Dann lächelte ich schüchtern und brachte ein "Hallo." hervor.

Sie antwortete mir irgendetwas auf griechisch, was ich nicht verstand. Dann fing sie an, zu reden wie ein Wasserfall. Ich fragte auf englisch, ob sie mich verstehen könne, leider war ihr englisch sehr schlecht. Immerhin.

Erst erklärte ich ihr, das ich kein böser Mensch war, dann, was ich hier mache. Mit Händen und Füßen redete ich, malt Bilder in den Sand und radebrachte vor mich hin. Sichtbar schwer fiel es ihr, mir zu glauben. Mir fiel ein, dass ich es ihr zeigen könne.
Ich wies sie an, zu warten, konzentrierte mich auf das andere Ende der Bucht und war kurz darauf dort. Ein leiser Aufschrei hallte zu mir herüber.
Nun konzentrierte ich mich auf das Mädchen und wenig später stand ich unmittelbar vor ihr. Mit großen braunen Rehaugen starrte sie mich an. Man, sie war bildschön, mein Alter und ich fühlte ein Kribbeln im Bauch, dass ich vorher so nicht kannte.

Nun ja, beim Kribbeln blieb es nicht. Wir küssten uns und viele wilde Küsse später lagen wir auf dem Strand und liebten uns. Was für eine Nacht.
Als die Sonne den Horizont wieder heller werden ließ, verabschiedete ich mich von ihr und war schnell zurück in meinem Zimmer. Mir blieben noch knapp zwei Stunden Schlaf bis mein Wecker mich aus einem schönen Traum riss.

Der Schultag war anstrengend. Nicht nur, weil ich so hundemüde war, nein, ich dachte auch immer an meine kleine griechische Perle. Die Mädels aus meiner Klasse hatten soeben viele Punkte verloren. Zumal einige sich gaben, als seien sie die hübschesten Mädels auf der Welt. Innerlich kotzte ich ihnen vor die Füße.

Da wir heute keine Hausaufgaben aufhatten, schlief ich erst mal eine Runde. Danach sprang ich wieder auf den griechischen Strand.
Und war allein.
Mehrere Stunden wartete ich, doch sie kam nicht.
Traurig sprang ich zurück um mir sofort den Katalog zu schnappen und ein anderes Ziel zu suchen.


Wohin als nächstes?

Rügen. Hmm, eher langweilig. Kopenhagen? Unspannend. Sylt? Never! Wenn, dann Ostsee! Riga. Naja, erst mal nicht darüber. Die Alpen? Brr, zu kalt. Legoland! JA!

Schnell vertiefte ich mich auf das Bild, besonders auf den Weg vor den Legobauten und fand mich vor einem großen Legoindianer wieder.
Spärlich beleuchtet lag der Park still da. Gemütlich ging ich durch die Landschaften und genoß die Ruhe. Bis plötzlich hinter mir jemand auf dänisch etwas rief. Da ich weder griechisch noch dänisch spreche, vermutete ich nur, dass ich stehen bleiben solle. Das tat ich aber nicht und flitzte los. Schnell um einige Ecken rum, über flache Legolandschafte und zuletzt einen Flughafen. Schließlich konnte ich mich verstecken, Luft holen und dachte an mein Zimmer.
Schnelle Schritte kamen näher.

Ruhter Atmen! Ruhiger Atmen!
Mein Zimmer! Denk an das Zimmer, das Bett!

Als ich die Augen öffnete, sah ich Taschenlampen aufleuchten, schon recht nahe.
Wieder schloß ich die Augen, versuchte, die Wachleute auszublenden, dachte an mein warmes Bett und fühlte das Ziehen.

Schwer ausatmend fand ich mich auf meinen Bett wieder.
"Oh man! Ich muss besser aufpassen."
Aufgezogen wie ein HB-Männchen schritt ich in meinem Zimmer auf und ab. Hin und her gerissen, ob ich das nun lustig oder beängstigend finden sollte, lief ich hin und her und überlegte, wie ich nun fortfahren könne. Oder ob mir vielleicht Gefahren drohen?

Was, wenn ich in einem Vulkan lande?
Ach, egal. Dann ist's vorbei.

So grübelte ich eine Weile vor mich hin und den Schalk im Nacken, sprang ich einfach mal in den Keller, um mir eine Flasche Saft zu holen. Es gelang. Ich wurde immer besser, immer schneller. Die ganze Aktion dauerte nur wenige Minuten. Zu Fuß wäre ich schneller gewesen, jedoch machte es so sehr viel mehr Spaß.

Am nächsten Nachmittag fragte mich meine Mutter verwirrt, ob ich gestern spät abends nochmal im Keller gewesen wäre. Sie hatte die Flasche gefunden.

Ok, besser aufpassen!

Sprungreisen

In den nächsten Tagen sprang ich immer weiter. Über Internet suchte ich mir tolle Bilder, lud sie in Vollbild auf den PC und sprang dahin, nachdem ich sie nur wenige Sekunden betrachtete.
Herrlich!
Fast jeder der Orte, die bing.de täglich zeigte, besuchte ich persönlich. Ich war in der russischen Steppe, in der finnischen Tundra, in der Wüste, leider auch im Atlantik, die Insel Pitcairn verfehlte ich um einige Meilen, war in Kanada mitten im Grünen und zuletzt auf Mallorca. Ja, billig, ich weiß, aber da wollte ich schon immer mal hin.
Für mein schmales Budget war Ballermann grad gut und ich konnte das gebrauchen. Und die Mädels waren einfache Beute.

Beim Thema Geld fiel mir etwas anderes ein. Tresore! Vielleicht könnte ich in einen Tresorraum eindringen, mir Geld "borgen" und dann verschwinden.

So suchte ich nach Bildern von Banktresoren.
Die anfängliche Suche war weniger erfolgreich. So beschloss ich, einfach mal Banken direkt zu besuchen und mir die Tresore zeigen zu lassen. Das stellte sich als weniger interessant heraus, als gedacht. Das sind ja alles Schließfächer, da fehlen mir die Schlüssel.

Nun ja, da würde sich sicher was finden.

Als ich einige Tage später in Lehrerzimmer war um einen Bericht abzugeben, sah ich die dortige Kaffeekasse.
Am nächsten Tag machte ein Gerücht die Runde, dass die Kaffeekasse gestohlen worden wäre.
Das passierte in meinem Umfeld jetzt öfter. Vereinskassen wurden geleert, kleinere Läden in der Mittagspause beraubt, ohne das jemand den Laden betrat und vereinzelt verschwanden Pakete aus Paketlieferwagen.

Ich erfreute mich an neuem Geldzugang, verfügte über einen neuen PC und diversen Sachen, die ich bei ebay verscherbelte.

Das war ein Fehler!

Polizei im Hause

Irgendwann klingelte es an der Tür, schwere Schritte polterten die Treppe hoch und die Polizei stand in der Tür. Mein Glück war, dass ich schon fast alles verkauft hatte und mein geklautes Geld in einem Schließfach aufbewahrte. Der Schrecken war trotzdem groß. Man wies mir nach, einen geklauten PC verkauft zu haben. Ich gab an, den selber gebraucht von einem Fremden angeboten bekommen zu haben, wollte dann aber doch lieber Geld, statt des PC. Somit war der PC und das Geld weg, mein Ruf angekratzt, denn das sprach sich leider rum, dass die Polizei bei mir war, jedoch passierte weiter nicht viel.

So sprang ich erst mal wieder in der Welt herum, klaute Dollars und schaute mir spannende Ecken an und Angst, entdeckt zu werden, hatte ich immer weniger.
Selbst, wenn ich mitten auf einer Straße landete, achtete kaum jemand auf mich. Ich musste nur schnell weitergehen und so tun, als sei alles normal.
Zumindest klappte das in großen Städten wie New York oder Paris sehr gut. In kleinen verträumten Orten war das schwieriger, da musste ich mir vom Bild eine Ecke suchen, die ruhig zu sein versprach.

Sprung via Satellit

Bald probierte ich, ob die Sattelitenaufnahmen von den Kartendiensten mir auch helfen konnte. Das lief aber nicht so gut. Irgendwie lenkten mich die Bilder ab und, schlauerweise, wählte ich als Ziel einen See, ich konnte die Höhe nicht bestimmen. So sprang ich und landete in gefühlten tausend Metern Höhe, es wären wohl "nur" zwanzig oder dreißig Meter, in der Luft und fiel wie ein Stein schreiend ins Wasser.
Aua!
Die nächsten Wochen sprang ich erst mal nicht mehr.

Praktisch wurde meine Gabe, als mir die Schulschläger auf dem Weg nach Hause mit gewohnt schlechter Laune entgegen kamen. Ich floh um eine Ecke, sprang hinter eine Mülltonne und war weg.
Am nächsten Tag schauten sie mich verunsichert aus der Ferne an, ließen mich aber in Ruhe.
 
Versuche, die Mädchenumkleiden zu erreichen ohne gesehen zu werden, verliefen nicht so erfolgreich und brachten mir nur ein Gespräch mit dem Rektor ein. Die Toiletten konnte ich besuchen, da ich in die entlegensten Kabine sprang, die ich mir vorher heimlich anschaute, und konnte dann Gespräche belauschen. Mehr war aber nicht drin. Und so spannend waren die Unterhaltungen nicht, meist ging es um tolle Jungs, tolle Lehrer, doofe Mitschüler und Schminke.
 

Ein lebensgefährliches Problem

Eines Abends fiel ich hundemüde ins Bett und schlief fast sofort ein. Im Halbschlaf musste ich wohl die Bilder des Bildschirmschoners betrachtet haben. Darauf liefen die Bilder von der Mars Mission Curiosity ...
 

Alternatives Ende


Vermisst: Seit Dienstag Abend wird der 17jährige Marco S. vermisst. Er verschwand ungesehen aus dem Haus seiner Eltern und wurde seit dem nicht gesehen. Wer sachdienliche Hinweise zum Auffinden von Marco S. hat, wendet sich bitte an die Polizeidienststelle ...

 

Alternatives Ende Zwei


+++ Sondermeldung: Gibt es Leben auf dem Mars? Die Mars-Sonde Curiosity hat die Überreste von menschlichem Gewebe und Knochen gefunden. Auch sowas wie Kleidung scheint vorhanden zu sein. Die Überreste sind jedoch bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die gefundenen Überreste scheinen zu einem regelrecht explodierten Körper zu gehören. Weitere Informationen liegen zur Zeit nicht vor. +++

 

Alternatives Ende Drei

Mein Protagonist kann den Sprung gerade noch abbrechen, hat nun aber Angst vor "gefährlichen" Bildern.
 
 
Was gefällt Ihnen besser?
 
© ist und bleibt beim Autor dieser Zeilen. Nachdruck, Verbreitung, Kopie und Veröffentlichung nur auf Nachfrage.

Zählpixel VG-Wort

Freitag, 31. August 2012

Feuerelementar mit Abwaschwasser vertreiben

Wir waren gerade dabei, den Abwasch zu machen, als es im Flur ein Klirren und einen Knall gab und wir feststellten dass wir ein Problem hatten. Eine 2m hohe, wabernde Feuergestalt schwebte im Flur und kam auf uns zu. In all meinen Fantasy-Büchern, die ich gelesen hatte, wurden so oder ähnlich Feuerelementare beschrieben. Immer fand ich diese am coolsten, da sie ihre Gegner einfach brutzeln konnten.

Nur war es weniger cool, wenn diese direkt und real vor einem stehen. Während das Elementar weiter auf uns zu schwebte, flüchtete meine Familie aus der Küche durch die Tür zum Wohnzimmer und dort hinaus auf die Terasse. Super, ich war allein. Angsterfüllt und vor Schreck gelähmt stand ich da wie eine Säule. Die Wärme waberte wie in einer 90° Sauna mit Aufguss auf mich zu. Neben mir plätscherte das Abwaschwasser lustig vor sich hin.

Da kam mir eine Idee. Ich drehte, ohne hinzuschauen, den Hahn weiter auf, das Becken war fast voll. Danach griff ich zu einer der Wasserflaschen, öffnete diese und verschüttete das Wasser auf dem Fußboden vor mir. Diese Aktion schien das Feuerlementar wenig zu beeindrucken. Toll. Eine zweite Flasche Wasser zerschmetterte ich mit einem kräftigen Wurf auf dem Fußboden und flüchtete dann durch die Tür in die Wohnstube. Es war inzwischen schon recht warm geworden.

Die Tür warf ich hinter mir zu und hetzte in den Flur um auch dort die Tür zu verschließen. Die Wohnstube wirkte fast kalt. Feuer braucht Luft, dachte ich mir. Diese wollte ich dem Elementar nehmen. Mit unseren Jacken verstopfte ich die Ritzen unter der Tür, damit das Wasser sich besser stauen könnte. Das mag lächerlich klingen, doch etwas anderes konnte ich grad nicht tun. Durch die Haustür sprang ich schließlich nach draußen vor das Küchenfenster und schaute hinein.

Das Wasser war inzwischen übergelaufen und floss reichlich über die Arbeitsfläche auf den Fußboden. Sogar der Schaum verschwand über den Rand. "Können Feuerelementare ausrutschen?" Der ganze Boden war inzwischen großflächig mit Wasser bedeckt, nur direkt um das Elementar nicht. Nach und nach schloß sich die dünne Wasserfläche auch um das Elementar herum und kreiste es ein. "Immerhin etwas. Nimm dass, du Sau!" dachte ich. Ich hatte den Eindruck, dass es sich schon etwas weniger bewegte, als vorher und das Feuer nicht mehr ganz so intensiv brannte.

Bei aller Gefahr musste ich schmunzeln, als ich die verkohlten Äpfel sah. Die grünen Dinger mochte ich eh nicht, vielleicht schmeckten sie ja als Bratapfel. Das Elementar sah mich direkt an. "Shit!" Ich duckte mich so schnell unter das Küchenfenster, dass die schönen Blumen meiner Mutter platt gedrückt wurden. "Oha! Das gibt Mecker." Langsam, ganz langsam hob ich den Blick wieder über den Rand des Fensters. Das Feuerelementar war zwar etwas in Richtung Fenster geschwebt, wirkte aber so, als hinge es am Rand des Wassers fest. War es nicht auch schon etwas kleiner geworden? Im Hintergrund hörte ich Sirenen.

Vorsichtig stand ich ganz auf, um auf den Küchenboden blicken zu können. Seitlich linste ich in das Küchenfenster, auf Zehenspitzen stehend und weiter Blumen niedertretend. Der Wasserkreis schloss sich enger um das Elementar. Es dampfte und brodelte am Rand. Das Wasser floss immer weiter aus dem Spülbecken über die Arbeitsplatte auf den Fußboden. "Sehr gut!"

Dann ging alles ganz schnell. Der Wasser Ring schloss sich enger und enger um das Elementar, der Dampf umhüllte mit seiner Feuchtigkeit das Elementar noch weiter und raubte ihm sichtlich die Kraft und Energie. Kleiner und kleiner wurde die brennende Gestalt. Der Dampf wurde mehr, das Feuer weniger. "Jaaaa! Stirb!" dachte ich und grinste. Schließlich erlosch die Gestalt völlig mit einem leisen Puff. Eine kleine Rauchwolke verteilte sich im Dampf und verflog dann völlig. Die Sirenen wurden lauter.

Durch die Haustür ging ich wieder in den Flur, nur wenig Wasser war unter der Küchentür durchgesickert. Es knirschte unter meinen Füßen. Verdutzt schaute ich auf den Boden. Eine kleine Vase lag zerschellt auf dem Boden. Ich öffnete die Küchentür und ein Schwall Wassers überspülte den Flur und lief in den Keller. Mit wenigen langen Schritten war ich beim Wasserhahn und drehte den Hebel zu. Ruhe. Es tropfte noch ein wenig von der Arbeitsfläche, der Dampf war verflogen. Ich stand in einer großen Pfütze. Super, da würde Mama viel feudeln müssen. Draußen waren Sirenen direkt vor dem Haus zu hören.

Ich schaute mich in der Küche um. Wo das Elementar drunter gestanden hatte, war die Decke verkohlt. Die ehemals grünen Äpfel waren braun verkocht, die Reste vom Mittagessen eine verbrannte klumpige Einheit mit den Tellern und Töpfen. Unser Kühlschrank wirkte von außen eher wie ein verkochter Backofen. Rein schaute ich lieber gar nicht erst. Sei's drum. Das Elementar war weg. Draußen hetzte ein Feuerwehrmann in voller Montur und Atemschutz am Fenster vorbei und stand nur wenige Augenblicke später vor mir in der Küche. Verwirrt schauten wir uns an.

Letztendlich zog die Feuerwehr wieder ab. Es brannte ja nichts mehr. Eine Stellungnahme würde wohl auf uns zu kommen. Ich faselte dem Brandmeister was von brennendem Fett und löschen mit Selter und Abwaschwasser vor. Sein mehr als skeptischer Blick sprach Bände. Meine Familie kam über die Terasse wieder ins Haus und fragte mich aus. Erst als wir wieder alleine waren, erzählte ich ihnen, was ich gemacht hatte. Und natürlich hatte keiner ein Photo gemacht. Ärgerlich.

Später erst bekamen wir raus, wie es überhaupt dazu gekommen sein musste. Eine Bekannte meiner Mutter hat aus ihrem Orienturlaub eine kleine, verschlossene Vase mitgebracht. "Ach, die sieht soooo toll aus, Gabi, da habe ich gleich an dich gedacht und sie gekauft. Ich hab zu Rainer gesagt, die macht sich bestimmt gut bei Gabi im Flur auf der kleinen niedlichen Kommode, hab ich zu Rainer gesagt. Die Vase sieht so schön feurig aus, das bringt Wärme in den Flur, hab ich zu Rainer gesagt. Ach nee, watt 'ne schöne Vase." Die Vase stand dann immer dort bis sie unser Kater herunter gestoßen hat. So vermuten wir. Denn der Kater hatte stark versengtes Fell, "Sah aus wie explodiert, das Vieh." und kam die nächsten Woche nicht mehr aus aus dem Keller hervor. Und er hüpfte auch später nie mehr auf irgendwelche Schränke. Wollten wir eine Kerze anzünden oder einfach nur so ein Feuerzug benutzen, flitzte er jedesmal panisch in den Keller. "Ha! Das war ihm eine Lehre."

© ist und bleibt beim Autor dieser Zeilen. Nachdruck, Verbreitung, Kopie und Veröffentlichung nur gegen Nachfrage.

Samstag, 25. August 2012

Pech gehabt - Reise ins Abflussrohr

Ich hatte Pech gehabt.
Jahrelang, schon als Kind, habe ich genießerisch jeden dämlichen Käfer, jede verdammte Mücke und jede widerliche Spinne getötet, die mir unter die Finger gekommen sind. Unter die Finger ist übertrieben. Latschen, Fliegenklatscher, Zeitungen und Handtücher sind die Mordwaffen meiner Wahl gewesen. Oh wie tat das gut, wenn eine Mücke zerquetscht an der Wand klebte. Oh, wie beruhigend, wenn eine Spinne zerschmettert am Boden lag, noch besser: lebend die Toilette runtergespült wurde und hoffentlich einen qualvollen Erstickungstod erlitt.

Beim Zähneputzen

Tja, bis heute. Das Letzte, woran ich mich erinnern kann, ist der Anblick eines Käfers, der das Pech hatte in das Waschbecken zu fallen. MEIN Waschbecken! Das sollte sein letzter Fehler sein. Dachte ich. Ein wenig dämlich sah es schon aus, wie ich mit der Zahnbürste im Mund versuchte, den Wasserstrahl mit der Hand so zu lenken, dass dieser den widerlichen Käfern mitreißen konnte.
Da passierte es:
Ein kurzer Schmerz in meinem Kopf, als würde eine Nadel durch mein Gehrin gerammt, das Gefühl, als ziehe mich etwas gen Waschbecken und das nächste, was ich sehen konnte, war das Innere des Waschbeckens aus einer ungewohnten Perspektive. Von unten sah ich den Wasserhahn hoch über mir und dachte noch, wie geht das denn? Hier passe ich doch gar nicht hin. Ich sah MICH über das Waschbecken gebeugt boshaft grinsen. Was tat ich dort? Was machte meine Hand? NEIN! Eine Sintflut Wassers spülte mich aus dem dem Waschbecken ins Rohr. Eine Runde drehte ich noch im Kreis und dann wurde es dunkel und laut um mich herum.

Ins Abflussrohr

Denken war nicht möglich, festhalten auch nicht. Irgendwo, egal wo nur irgendwo festklammern. Nur hatte ich keine Arme. "Was zur Hölle war das?" dachte ich noch und knallte erst gegen das Gitter vom Abfluss dann gegen die Rohrwand, fuhr Achterbahn durch den Siphon und floss dann zum Hauptfallrohr. Es rauschte, gurgelte, plätscherte und spülte so laut wie ein Orkan. Ich wurde hin und her geschleudert, um Ecken gewirbelt, über Kopf meterweit hinabgespült, durch Gitter gesogen und landete zuletzt in einem weiten Bogen in einer riesigen Wasserfläche. Dort schwamm ich dann.

In der Kanalisation

Während ich noch zu sortieren versuchte, was mir grad passiert war, zog mich das Wasser langsam mit sich. Es stank. Oh verflucht stank das hier. Zwischen riesigen Babywindeln, ewig langem Toilettenpapier, fußballfeldgroßen Kotzeresten, meterhohen fauligen Äpfeln und mannshohen Bergen von Kacke schwamm ich langsam dahin. Herzlichen Glückwunsch! Willkommen in meinem Leben. Meinem neuen Leben.

Die Ratte

Während ich noch so vor mich hin trieb und grübelte, hörte ich hinter mir ein Plätschern. Qualvoll langsam drehte ich mich im Kreis. Meine Ärmchen, ich hatte Ärmchen? Mehrere Ärmchen! Diese neuen Extremitäten ruderten mich langsam um die eigene Achse herum und ermöglichten mir damit einen Blick nach hinten. Weit entfernt, für meine momentane Größe jedenfalls, schwamm eine riesige Ratte so groß wie ein Haus, um eine einen alten Plastikeimer herum, der sie nochmals weit überragte.
Oha!
Was fressen Ratten?
Alles!
Wirklich Alles? 
Ja, du Idiot, ALLES! SCHWIMM!
Einfacher gedachte als getan. Meine Ärmchen brachten mir gar nichts. Aus meinem neuen und riesigen Augenwinkel konnte ich zwar reichlich Deckung sehen, doch war das alles unendlich weit weg. In meiner alten Größe wäre das kaum eine Handbreit gewesen, nun jedoch Meilen. Der Kotzerest versprach die sicherste Deckung, die braune Wurst war dichter dran und trieb von allein auf mich zu. Also doch dahin. Ich strampelte und strampelte, ich ruderte und ruderte doch ich kam einfach nicht voran. Während dessen trieb ich mit der Brühe weiter den Tunnel entlang. Hier und da tropften riesige Wassertropfen von der kilometerhohen Decke herab. Licht wie vom Himmel so weit, schien in dünnen Strahlen auf die dunkle braune Soße um mich herum.

Das Plätschern der Ratte kam immer näher und wurde immer lauter. Fast konnte ich sie atmen hören. Hier und da schien sie den schwimmenden Unrat um sie herum zu probieren. Schmatzte und schleckte und schwamm weiter in meine Richtung. Ohne etwas dagegen unternehmen zu können, drehte sich mein Körper schwimmend um die eigene Achse, so dass ich die Ratte sehen konnte. Dann wieder nicht. Dann war sie wieder im Blickfeld. Jedes Mal war sie näher dran. Konnte sie mich sehen? Konnte sie mich gar riechen? Was konnte ich tun? Nichts! Ich war wehrlos. Gefangen in einem Körper, der mir nicht gehörte, machtlos einem Tier gegenüber, welchem ich in meinem alten Leben nie Beachtung geschenkt hätte, musste ich zusehen, wie mein Tod näher schwamm, unfähig, etwas dagegen unternehmen zu können.

Ungewöhnliche Deckung

Mein Angst wurde groß und größer. Mein Herz schlug wild. Hatte ich überhaupt noch ein Herz? Da passierte es: Die Ratte schwamm nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt und stieß mit ihrer Schnauze die braune Wurst an. Durch den Schwung, schwamm die Wurst rollend auf mich zu und drückte mich unter Wasser. Was für eine Vorstellung. Während ich noch versuchte, mich frei zu strampeln um wieder an die Luft zu kommen, merkte ich, dass ich an der Wurst festklebte. Sie drehte sich langsam um sich selbst und mit dem Rücken festgeklebt an der stinkenden, klebrigen Rolle kam ich wieder an die Wasseroberfläche und drehte mich weiter mit ihr nach oben. Entfernt erinnerte ich mich an die Reise in einem Riesenrad. Nur stanken die nicht so sehr. Während ich noch versuchte, Luft in meine Lungen, Verzeihung, was auch immer ich jetzt als Atemorgan nutzen musste, zu bekommen, sah ich die Ratte. Sie schwamm direkt neben mir und schnüffelte hier und da. Mir ihrer hinteren Pfote schlug sie das Wasser um voran zu kommen. Dabei traf sie dann auch mein Transportmittel.
Meine Wurst bekam einen Stups und drehte sich um die Längsachse, so dass ich nicht mehr höher gehoben wurde, wir uns aber langsam im Kreis drehten. Von der Berührung neugierig geworden, drehte sich die Ratte um. Oh nein! Hektisch strampelnd schwamm sie genau auf meinen schleimigen Träger zu. Schon spürte ich eine leichte Wärme, die von ihrem Körper ausging. Ich sah erste Barthaare und war sicher, dass mein Ende nahe war. Wieder bekam die Wurst einen Anstoß und drehte sich erneut. Wieder wurde ich unter Wasser gedrückt. Durch das Wasser löste sich mein Rückenpanzer von der Wurst und ich wurde nach oben gespült. Wie ein Korken flog ich aus dem Wasser und klatschte zurück auf die Wasseroberfläche. Da schwamm ich dann. Die Wurst vor mir, der riesige Körper der Ratte dahinter. Nasses, dreckiges Fell bedeckt von Schleim und grauer Feuchtigkeit drohten hinter der braunen Deckung hervor. Das Interesse der Ratte an der Wurst schien zu versiegen, sie schwamm weiter. Ein letztes Mal schaute sie sich um und schaute dabei direkt auf mich.
Die Zeit schien still zu stehen. Kein Laut war zu hören. Es gab nur die Ratte und mich. Sah sieh mich? Sahen ihre schwarzen Knopfaugen meinen winzigen unschuldigen Körper? Ihre Nasenspitze zitterte verdächtig, sog die Luft ein. Sie schnüffelte in meine Richtung und drehte dann den Körper hinterher. Sie schwamm auf mich zu. Das war's dann wohl. Adé du schöne stinkende Welt.
Immer dichter kam die Ratte, immer größer wuchs der Körper vor mir auf, immer lauter wurde ihr Strampeln und ihr Schnaufen. Ihre schwarzen, kalten Augen fixierten mich wie Stahl. Ich war unfähig auch nur eines der Ärmchen zu bewegen. Hilflos starrte ich auf meinen Todesengelratte.
Ich sah ihr Maul sich öffnen, lange weiße Zähne an der Spitze drohten mir einen harten, schnellen Tod an. Immer größer wurde das Maul vor mir, immer näher kam das Ende. Ihre Zunge leckte sich gierig über die Lefzen und zuckten gierig in meine Richtung. Dann war sie bei mir. Ein letztes Mal sah ich in ihren Rachen, vorbei an spitzen Nagezähnen und schloß die Augen. Das heißt, ich wollte es. Ich konnte meine Augen nicht schließen. Ich hatte keine Lieder. Da ergoß sich eine Sintflut aus dem Himmel über uns auf den Körper der Ratte und mich. Ein Wolkenbruchartiger Wasserschwall fiel aus einem Abflußrohr in der Decke über uns genau auf die Ratte und mich. Die Ratte quiekte erschreckt auf. Mehrer Blatt Toilettenpapier hatten sich über ihren Kopf gelegt und versperrten ihre Sicht. Ich wurde unter Wasser gespült und weit nach unten gedrückt. Um mich herum war es stockdunkel. Nur ab und an sah ich Lichtfetzen, während der Wasserstrahl mich in alle Richtungen drehte. Oben unten, links rechst? Was war das, eine Richtung? Während ich noch versuchte, zu verstehen, wo oben und unten war, zu erfassen, wo der Feind anfing und das Wasser aufhörte, wurde ich von einem kräftigen Sog erfasst und geradezu verschluckt.

Auf zum Klärwerk

Hurgs! dachte ich noch und abwärts ging es rasend schnell durch ein für menschliche Maße enges Rohr. Mit dem kräftigem Schub des Wassers schoss ich dahin. Es ging erst abwärts, um eine leichte Kurve herum und letztendlich flog ich in einem hohem Bogen aus dem Rohrende hinaus in ein riesiges dunkles Meer.
Sehen konnte ich nicht viel. Es gab kaum Licht. Hören konnte ich auch nicht viel. In meinen Ohren oder was auch immer ich da jetzt hatte, war Wasser. Und doch spürte ich etwas. Ein Vibrieren durch das Wasser. Nein, mehr ein Grollen. Sollte ich denn gar keine Ruhe mehr haben? Eine langsame Strömung trug mich dahin. Hier und da konnte ich anderes Treibgut ausmachen, jedoch kaum erkennen, was da so herum schwamm. Vielleicht war das auch gut so. Das Grollen im Wasser wurde stärker. Durch das Wasser schien ein Stoß zu gehen. Die bisher leise Strömung wurde schneller. Ich trieb nun schon in langsamer menschlicher Schrittgeschwindigkeit. Für mich, der ich nicht wusste wohin es ging, rasend schnell.
Das Ende dieser weiten dunklen Welt schien näher zu kommen, ich konnte eine noch dunklere Wand erkennen. Da durchfuhr mich ein Gedanke wie ein Blitz: Das Klärwerk. Ich war am Ende der dreckigen Kanalisation angekommen. Ein hysterisches Lachen durchfuhr meine Gedanken. Immer hatte ich das hier zu erleben all den Drecksviechern gewünscht, die ich all die Jahre getötet hatte. Nun erlebte ich es selbst. In einem Körper eines solchen ekelhaften Wiederlings. Und sollte so umkommen, wie ich es diesem Abschaum der Natur immer gegönnt und gewünscht hatte.
Ein neuer Gedanke durchbohrte mich: Was tat so ein kleiner mieser Käfer in meinem Körper? Würde er endlich vernünftiges Essen genießen? Gar mit meiner Freundin ... ich konnte und wollte nicht daran denken. Und ich hatte andere Sorgen. Vor mir bauten sich mit langen, säbelartigen Reißzähnen das Grobschmutzgitter auf. Davor türmten sich Äste, Laub, Windeln, diverse Reste von Kleidung und anderer Unrat, den ich nicht näher erkennen konnte und wollte. Hoffnung keimte in mir, dort konnte ich mich irgendwo festklammern und nach oben klettern, nein, krabbeln. Zu früh gehofft. Klein wie ich war, zerrte mich das Wasser gnadenlos mit sich. Unter einer alten Getränkedose hindurch spülte ich vorbei an einem toten Fisch durch das Gitter und hinein in ein breites Rohr. Dahinter wartete eine laut rauschendes Rohr mit einem Mahlwerk auf mich, so schien es. Kurz vermochte ich mich noch an einem Gitter festhalten, das heißt, ich wurde eher dagegen gedrückt, dann riss mich die Strömung mit sich.

Das Ende

Ich schrie, strampelte, rief und schlug um mich. Es dauerte, bis ich die Bettdecke von mir geworfen hatte und wieder frei Luftholen konnte. Mein Körper, mein menschlicher herrlich warmer und lebendiger Körper war zwar klatschnass aber ich lebte. Gott verflucht, ich war kein Käfer. Schwer atmend setzte ich mich auf den Bettrand. Mein Nacken schmerzte, der Hals tat weh. Meine Bettdecke hatte sich derart um mich gewickelt, dass sie mir fast die Luft abgeschnürt hat. Das Kissen tat sein übriges dazu bei, mir die Nacht zu versauen, in dem es steinhart meinen Kopf einklemmte. Dadurch und durch die Wärme unter der Decke, träumte ich schlecht.
Ich ging auf Klo. Erst pinkeln, dann was trinken. Als ich in der Toilette am Waschbecken vorbei schlurfte, hörte ich ein leises Kratzen. Ein kleiner Käfer hatte sich dorthin verirrt. Ich schaute ihn an. Lange Augenblicke schaute ich ihn an und öffnete dann den Wasserhahn.
"Gute Reise, Kleiner. Ich weiß, was jetzt auf dich zukommt."
Dann ging ich auf Klo.




Kommentar:

Die Idee zu dieser Geschichte entstand beim Zähneputzen. Der Anfang, dass ich durch Geisttausch in den Körper eine Käfers gesogen werden würde und dann weggespült wurde, schoß mir durch den Kopf und daraus wurde dann diese Geschichte.

Nachtrag 26.08.2012:

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass am Abend, nachdem ich diese Geschichte fertig und online gestellt habe, eine Motte mit weißem Kopf an meinem Waschbecken landete. Was soll mir das sagen?
Motte mit weißem Kopf am Waschbecken
Motte mit weißem Kopf am Waschbecken

© ist und bleibt beim Autor dieser Zeilen. Nachdruck, Verbreitung, Kopie und Veröffentlichung nur gegen Nachfrage.