Freitag, 31. August 2012

Feuerelementar mit Abwaschwasser vertreiben

Wir waren gerade dabei, den Abwasch zu machen, als es im Flur ein Klirren und einen Knall gab und wir feststellten dass wir ein Problem hatten. Eine 2m hohe, wabernde Feuergestalt schwebte im Flur und kam auf uns zu. In all meinen Fantasy-Büchern, die ich gelesen hatte, wurden so oder ähnlich Feuerelementare beschrieben. Immer fand ich diese am coolsten, da sie ihre Gegner einfach brutzeln konnten.

Nur war es weniger cool, wenn diese direkt und real vor einem stehen. Während das Elementar weiter auf uns zu schwebte, flüchtete meine Familie aus der Küche durch die Tür zum Wohnzimmer und dort hinaus auf die Terasse. Super, ich war allein. Angsterfüllt und vor Schreck gelähmt stand ich da wie eine Säule. Die Wärme waberte wie in einer 90° Sauna mit Aufguss auf mich zu. Neben mir plätscherte das Abwaschwasser lustig vor sich hin.

Da kam mir eine Idee. Ich drehte, ohne hinzuschauen, den Hahn weiter auf, das Becken war fast voll. Danach griff ich zu einer der Wasserflaschen, öffnete diese und verschüttete das Wasser auf dem Fußboden vor mir. Diese Aktion schien das Feuerlementar wenig zu beeindrucken. Toll. Eine zweite Flasche Wasser zerschmetterte ich mit einem kräftigen Wurf auf dem Fußboden und flüchtete dann durch die Tür in die Wohnstube. Es war inzwischen schon recht warm geworden.

Die Tür warf ich hinter mir zu und hetzte in den Flur um auch dort die Tür zu verschließen. Die Wohnstube wirkte fast kalt. Feuer braucht Luft, dachte ich mir. Diese wollte ich dem Elementar nehmen. Mit unseren Jacken verstopfte ich die Ritzen unter der Tür, damit das Wasser sich besser stauen könnte. Das mag lächerlich klingen, doch etwas anderes konnte ich grad nicht tun. Durch die Haustür sprang ich schließlich nach draußen vor das Küchenfenster und schaute hinein.

Das Wasser war inzwischen übergelaufen und floss reichlich über die Arbeitsfläche auf den Fußboden. Sogar der Schaum verschwand über den Rand. "Können Feuerelementare ausrutschen?" Der ganze Boden war inzwischen großflächig mit Wasser bedeckt, nur direkt um das Elementar nicht. Nach und nach schloß sich die dünne Wasserfläche auch um das Elementar herum und kreiste es ein. "Immerhin etwas. Nimm dass, du Sau!" dachte ich. Ich hatte den Eindruck, dass es sich schon etwas weniger bewegte, als vorher und das Feuer nicht mehr ganz so intensiv brannte.

Bei aller Gefahr musste ich schmunzeln, als ich die verkohlten Äpfel sah. Die grünen Dinger mochte ich eh nicht, vielleicht schmeckten sie ja als Bratapfel. Das Elementar sah mich direkt an. "Shit!" Ich duckte mich so schnell unter das Küchenfenster, dass die schönen Blumen meiner Mutter platt gedrückt wurden. "Oha! Das gibt Mecker." Langsam, ganz langsam hob ich den Blick wieder über den Rand des Fensters. Das Feuerelementar war zwar etwas in Richtung Fenster geschwebt, wirkte aber so, als hinge es am Rand des Wassers fest. War es nicht auch schon etwas kleiner geworden? Im Hintergrund hörte ich Sirenen.

Vorsichtig stand ich ganz auf, um auf den Küchenboden blicken zu können. Seitlich linste ich in das Küchenfenster, auf Zehenspitzen stehend und weiter Blumen niedertretend. Der Wasserkreis schloss sich enger um das Elementar. Es dampfte und brodelte am Rand. Das Wasser floss immer weiter aus dem Spülbecken über die Arbeitsplatte auf den Fußboden. "Sehr gut!"

Dann ging alles ganz schnell. Der Wasser Ring schloss sich enger und enger um das Elementar, der Dampf umhüllte mit seiner Feuchtigkeit das Elementar noch weiter und raubte ihm sichtlich die Kraft und Energie. Kleiner und kleiner wurde die brennende Gestalt. Der Dampf wurde mehr, das Feuer weniger. "Jaaaa! Stirb!" dachte ich und grinste. Schließlich erlosch die Gestalt völlig mit einem leisen Puff. Eine kleine Rauchwolke verteilte sich im Dampf und verflog dann völlig. Die Sirenen wurden lauter.

Durch die Haustür ging ich wieder in den Flur, nur wenig Wasser war unter der Küchentür durchgesickert. Es knirschte unter meinen Füßen. Verdutzt schaute ich auf den Boden. Eine kleine Vase lag zerschellt auf dem Boden. Ich öffnete die Küchentür und ein Schwall Wassers überspülte den Flur und lief in den Keller. Mit wenigen langen Schritten war ich beim Wasserhahn und drehte den Hebel zu. Ruhe. Es tropfte noch ein wenig von der Arbeitsfläche, der Dampf war verflogen. Ich stand in einer großen Pfütze. Super, da würde Mama viel feudeln müssen. Draußen waren Sirenen direkt vor dem Haus zu hören.

Ich schaute mich in der Küche um. Wo das Elementar drunter gestanden hatte, war die Decke verkohlt. Die ehemals grünen Äpfel waren braun verkocht, die Reste vom Mittagessen eine verbrannte klumpige Einheit mit den Tellern und Töpfen. Unser Kühlschrank wirkte von außen eher wie ein verkochter Backofen. Rein schaute ich lieber gar nicht erst. Sei's drum. Das Elementar war weg. Draußen hetzte ein Feuerwehrmann in voller Montur und Atemschutz am Fenster vorbei und stand nur wenige Augenblicke später vor mir in der Küche. Verwirrt schauten wir uns an.

Letztendlich zog die Feuerwehr wieder ab. Es brannte ja nichts mehr. Eine Stellungnahme würde wohl auf uns zu kommen. Ich faselte dem Brandmeister was von brennendem Fett und löschen mit Selter und Abwaschwasser vor. Sein mehr als skeptischer Blick sprach Bände. Meine Familie kam über die Terasse wieder ins Haus und fragte mich aus. Erst als wir wieder alleine waren, erzählte ich ihnen, was ich gemacht hatte. Und natürlich hatte keiner ein Photo gemacht. Ärgerlich.

Später erst bekamen wir raus, wie es überhaupt dazu gekommen sein musste. Eine Bekannte meiner Mutter hat aus ihrem Orienturlaub eine kleine, verschlossene Vase mitgebracht. "Ach, die sieht soooo toll aus, Gabi, da habe ich gleich an dich gedacht und sie gekauft. Ich hab zu Rainer gesagt, die macht sich bestimmt gut bei Gabi im Flur auf der kleinen niedlichen Kommode, hab ich zu Rainer gesagt. Die Vase sieht so schön feurig aus, das bringt Wärme in den Flur, hab ich zu Rainer gesagt. Ach nee, watt 'ne schöne Vase." Die Vase stand dann immer dort bis sie unser Kater herunter gestoßen hat. So vermuten wir. Denn der Kater hatte stark versengtes Fell, "Sah aus wie explodiert, das Vieh." und kam die nächsten Woche nicht mehr aus aus dem Keller hervor. Und er hüpfte auch später nie mehr auf irgendwelche Schränke. Wollten wir eine Kerze anzünden oder einfach nur so ein Feuerzug benutzen, flitzte er jedesmal panisch in den Keller. "Ha! Das war ihm eine Lehre."

© ist und bleibt beim Autor dieser Zeilen. Nachdruck, Verbreitung, Kopie und Veröffentlichung nur gegen Nachfrage.

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